Heimatzeitung Sepp Schleicher und König Ludwig

94 te er sich ein Bayern gewünscht, das erfüllt ist von Kunst, von Malerei, Musik, Theater und bildenden Künsten. Nicht mehr und nicht weniger ein para- diesisches Land voller Menschen, die an dieser Vision mitarbeiten. Sicher hätte Tradition und intakte Natur eine große Rolle gespielt. Was möchten Sie zu den Todesumständen von Ludwig sagen? Ein besonders wichtiger Punkt sind die Todesum- stände des Königs. Dr. Alexander Rauch weist immer wieder darauf hin, dass schon zum Regie- rungsantritt des Königs offensichtlich war, dass man den König ganz gerne entthronen möchte. Viele Hinweise sind in dem Briefwechsel Ludwigs mit Richard Wagner zu finden und besonders im Tagebuch Cosimas. Der Machthunger des späteren "Prinzregenten" war groß und besonders der seiner Söhne. Da mag eine Rolle gespielt haben, dass viele wussten, dass Ludwig kein Wittelsbacher sei. Holnstein hat das schon dem Prinzen Ludwig gesagt. Ich glaube, dass der König zu Recht einen Anschlag auf sein Leben fürchtete. Sicher hat das eine Rolle gespielt, dass er sich gerne die meiste Zeit des Jahres in entlegensten Berghütten aufge- halten hat. Dort fühlte er sich sicher. Man kann nicht hoch genug einschätzen, was das mit dem Menschen Ludwig gemacht hat. Er wusste, er hat vielleicht nicht viel Zeit, seine Visionen zu ver- wirklichen. Er war in Eile. Und er wußte, er hat viele Feinde, nicht zuletzt aus dem Kreis der Kirche und die ultramontane Partei. Sicher spielte diese Angst um sein Leben eine große Rolle für seine Psyche. Es ist heimtückisch, aus dieser Tatsache dem König auch noch einen Vorwurf zu machen, er wäre in München nicht genug präsent gewesen. Was er auch tat, es wurde ihm zum Nachteil aus- gelegt. Der Leibarzt Dr. Schleiß von Löwenfeld schrieb schon einige Wochen vor dem Todestag des Königs, dass er von den Machenschaften seiner Gegner wusste und um das Leben des Königs bangte. Wie niederträchtig dann die Ge- fangennahme des Königs war, gipfelt in der Un- verschämtheit des Grafen Holnstein, dessen Intrigen der König seit langem kannte. Allein, dass man dem König zumutete, dass dieser Mann, den Ludwig vom Hof verbannt hatte, hier frech auftrat, ist ungeheuerlich. Daher wundert es schon fast nicht mehr, dass der König zweimal seine Notdurft in der Gegenwart von circa zwölf Leuten verrichten musste. Trotzdem blieb Ludwig freundlich und ge- fasst. Trotz aller Umstände erkundigte er sich nach dem Befinden von vielen Menschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass der König dann in Berg bei einem Fluchtversuch erschossen wurde. Ob das aus Versehen oder gezielt geschehen ist, weiß ich nicht. Tatsache ist, daß Dr. Schleiß von Löwenfeld und der Rittmeister Richard Hornig und sein Bruder Ewald Hornig, sowie der Maler Hermann Kaulbach und Graf Rambaldi den ganzen Tag des 13. Juni 1886 trotz heftigen Regens mit einem Ruderboot vor Schloß Berg auf und ab ruderten. Das hat sogar Dr. Gudden gesehen und seinem Schwie- gersohn berichtet. Es kann nicht anders sein, als dass diese Männer in Zusammenarbeit mit Kaiserin Elisabeth einen Fluchtplan vorbereiteten. Laut Pro- fessor Wichmann waren diese Männer - nachdem sie Schüsse gehört hatten - als erste zur Stelle und fanden den von zwei Schüssen getöteten König. Diesen skizzierte sogar der Maler Kaulbach Fortsetzung von Seite 93 p Richard Hornig war einer der treuesten Menschen im Umfeld von König Ludwig II. Bild: privat

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