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dass Jugendliche, die online gemobbt werden,
sehr häufig auch Opfer traditionellen Mobbings
sind. Und auch die Täter sind oft offline und
online aktiv, weshalb bei Präventions- bzw.
Interventionsmaßnahmen beide Formen zu
berücksichtigen sind.
Jugendliche cybermobben andere aus vielfälti-
gen Gründen. Nicht selten sind Täter zugleich
auch Opfer, zum Beispiel wenn sie auf Belei-
digungen mit Beleidigungen reagieren. Eine
EU-Studie zeigte 2011, dass 58 Prozent der
Jugendlichen, die online mobben, auch selbst
schon Opfer waren. Jugendliche, die mobben,
wiesen zudem häufig bestimmte Risikofaktoren
auf, wie antisoziales Verhalten und psychoso-
ziale Probleme. Eine neuere Studie zeigt aber
auch, dass die Täter nicht immer Problem-
schüler sein müssen. Es scheint auch solche
zu geben, die gut in die Klassengemeinschaft
integriert sind, während die Opfer soziale Au-
ßenseiter sind.
Abhängig von der Intensität des Cybermob-
bings können die emotionalen, psychischen
und sozialen Folgen für Jugendliche gravierend
sein. So kann es zur Verletzung des Selbstwert-
gefühls und zur sozialen Ausgrenzung kommen.
&
Wo kann man das nachlesen?
Pieschl, S. & Porsch, T. (2012). Schluss mit
Cybermobbing! Weinheim, Basel: Beltz.
Grimm, P. (2009). Gewalt und Cyber-Mobbing
im Web 2.0. In: Zeitschrift für Jugend-
schutz und Erziehung. Thema Jugend.
Medienwelten die Erste, 3, S. 5-8.
14 Prozent der 12- bis 19-Jährigen
in Deutschland geben an, dass sie
schon einmal von Cybermobbing
betroffen waren. Initiativen wie
die Facebook-Seite „Stop Bullying:
Speak Up“ wollen auf das Problem
aufmerksam machen.
Bei anhaltenden schweren Attacken können
Depressionen und im Extremfall Selbstmord
die Folge sein. Ebenso kann Cybermobbing das
soziale Klima unter den Jugendlichen negativ
beeinflussen. Es kann soziale Hierarchien noch
stärker betonen und verfestigen. Insbesondere
durch Cyberthreats können Konflikte eskalie-
ren. Um dieses Gefahrenpotenzial zu entschär-
fen, bedarf es eines reflektierten Umgangs mit
den unterschiedlichen Konfliktformen. Erfolg
haben vor allem solche medienpädagogischen
Ansätze, die Motive und Wertorientierungen
der Konfliktparteien und beobachtender ‚Drit-
ter‘ zum Ausgangspunkt von Präventions- und
Interventionsstrategien nehmen.
Petra Grimm, Hochschule der Medien Stuttgart
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