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die eigenen und die Gefühle und Überzeugun-
gen Anderer zu erkennen, zu respektieren und
mit ihnen förderlich umzugehen und zugleich
sich selbst, seine Persönlichkeit und eigenen
Interessen, aktiv einzubringen. Diese Fähigkeit
zu fördern und zu befördern wäre eine ganz
entscheidende Aufgabe der Schule.
Wir formulieren hier bewusst im Konjunktiv,
denn Medienkompetenz als wichtige Hand-
lungskompetenz in mediatisierten Gesellschaf-
ten, wird in der Lehrerausbildung nach wie vor
nahezu ausgeblendet. In der Konsequenz ste-
hen jene, die diese Kompetenz fördern könnten
und sollten, dieser Herausforderung selbst oft
rat- und hilflos gegenüber. Sie haben auf der
Grundlage ihrer Medienerfahrungen und -pra-
xen andersartige Stile des Handelns mit den
zeitgeschichtlich zur Verfügung stehenden Me-
dien ausgebildet, die das aktuelle Handeln mit
den jeweils neuen Medien entscheidend prägen.
Damit fehlen ihnen schlichtweg Erfahrungen,
um die Risiken aber eben auch Potenziale der
Wenn die Schule für das Leben lehren will, muss sie heute auch den Umgang mit den Medien vermitteln –
wie hier in einem Kurs für Grundschüler.
Medien hinreichend abschätzen zu können.
Und deshalb muss die Frage auch heißen: „Wie
viel Medienkompetenz brauchen Lehrerinnen
und Lehrer und wie können sie sich diese aneig-
nen?“ Darum ist es eine zentrale Aufgabe der
Medienpädagogik, sowohl Modelle zur Förde-
rung eines reflektierten Medienhandelns der
Heranwachsenden zu entwickeln, als auch für
die Ausbildung von Multiplikatorinnen.
Bernd Schorb & Anja Hartung,
Universität Leipzig
&
Wo kann man das nachlesen?
Hartung, A. et al. (2010). Falsche Vorstellun-
gen? Medien und das Generationenverhält-
nis in der Schule aus der Sicht junger Men-
schen. In: Computer+Unterricht, 20/80,
S. 21-25.
Schorb, B. (2009). Gebildet und kompetent.
Medienbildung statt Medienkompetenz?
In: Medien+Erziehung 2009/5, S. 50-56.