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und zum geeigneten Zeitpunkt in der „realen“
Welt auf Erfolg getestet. Vorbildfunktionen
finden ihre Grenzen damit auch in den realen
Fähigkeiten, Möglichkeiten und Fertigkeiten
der Jugendlichen im täglichen Leben. Das ist
zuweilen mit Frustration, aber auch mit dem
Erkennen eigener Grenzen und persönlicher
Entwicklungsmöglichkeiten verbunden.
Erstaunlicherweise tauchen mediale Vorbilder
in der öffentlichen Diskussion fast ausschließ-
lich negativ, als „schlechte Beispiele“ auf – wäh-
rend die realen Vorbilder in aller Regel sakro-
sant sind. Wie im richtigen Leben gibt es aber
auch in den Medien gute und schlechte Vor-
bilder. Mediencharaktere bieten Jugendlichen
durchaus positive Anregungen zu individuellem
Wachstum und persönlicher Entwicklung sowie
Optionen zur Abgrenzung.
Vor allem die medienpolitische Diskussion um
medienvermittelte Vorbilder ist an negativ-
dramatischen Einzelfällen ausgerichtet. Sie
ist moralisch stark aufgeladen, verwendet oft
simple Reiz-Reaktions-Behauptungen und wird
nahezu ausschließlich aus und für bürgerlich-
intellektuelle Perspektiven geführt. Insbeson-
dere die Diskussion um Gewalt-, Talkshow- und
Reality-TV-Formate hat eine Bewertung von
medialen Vorbildern als Teil von Jugendkultur
und jugendlicher Lebenswelt mitunter mehr
erschwert als befruchtet.
Andreas Fahr, Universität Erfurt
&
Wo kann man das nachlesen?
Hoffmann, D. & Mikos, L. (Hrsg.) (2010).
Mediensozialisationstheorien. Modelle
und Ansätze in der Diskussion.
Wiesbaden: VS.
Mikos, L., Hoffmann, D. & Winter, R. (Hrsg.)
(2007). Mediennutzung, Identität und
Identifikationen. Die Sozialisationsrele-
vanz der Medien im Selbstfindungsprozess
von Jugendlichen. Weinheim, München:
Juventa.
Wie im richtigen Leben finden sich in den
Medien gute und schlechte Vorbilder.
Mediencharaktere wie der Fußballer
David Beckham bieten Jugendlichen Anre-
gungen zur persönlichen Entwicklung,
aber auch zur bewussten Abgrenzung.