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Die Rolle der Medien hängt schließlich auch
davon ab, ob es sich um kurze, heftige Kontro-
versen wie Wahlkämpfe oder Skandale von Po-
litikern handelt, oder um langfristige Themen
der politischen Debatte, wie die Europäische
Einigung. Bei kurzfristigen Skandalen werden
Medien selbst oft zu Akteuren, welche die Kon-
troverse maßgeblich mitbestimmen, indem sie
zum Beispiel investigativ recherchieren und ein
Thema somit befeuern oder es umgekehrt „tot-
schweigen“.
Aber selbst wenn Medien sich neutral verhal-
ten, verschärft sich die Debatte um die Posi-
tion oder das angeprangerte Verhalten von
Politikern oft allein schon dadurch, dass Me-
dien über die kontroversen Standpunkte und
Argumente berichten. Die Austragung einer
Kontroverse in der medialen Öffentlichkeit er-
schwert dann einen verständigungsorientierten
Diskurs, weil die Sprecher ihre Argumente mit
Blick auf das breite Medienpublikum vortragen
und versuchen, dort zu punkten, anstatt wie in
einem normalen Gespräch auf die Argumente
der anderen Seite rational einzugehen. In Wahl-
kämpfen kommt es zudem vor, dass Medien
bestimmte Kandidaten mehr oder weniger of-
fen unterstützen – etwa in Meinungsbeiträgen
oder durch eine vorteilhafte Darstellung ihres
Favoriten.
Bei länger andauernden Kontroversen ver-
treten Medien ihre Haltungen normalerweise
weniger eindeutig. Sie lassen sie sich aber durch
Bei manchen Skandalen werden Medien
selbst zu kontroversen Akteuren – etwa
als „Die Zeit“ 2011 die Biografie des ge-
scheiterten Bundesministers Theodor zu
Guttenberg zum Titelthema machte.
langfristige, systematische Inhaltsanalysen auf-
decken. Diese Haltungen sind in ihren Wirkun-
gen auf die Leser oft folgenreich und können
die Grundlage zur Akzeptanz bestimmter poli-
tischer Grundsatzentscheidungen in der Bevöl-
kerung schaffen, wie etwa die der Europäischen
Einigung, die in Deutschland zunächst nur von
einem Teil der politischen Elite und den Leit-
medien getragen wurden.
Peter Maurer, Universität Wien
&
Wo kann man das nachlesen?
Kepplinger, H.-M. (2009). Publizistische Kon-
flikte und Skandale. Wiesbaden: VS.
Pfetsch, B. & Adam, S. (Hrsg.) (2008): Massen-
medien als politische Akteure. Wiesbaden: VS.