41
und Politik seien inzwischen ein symbiotisches
Verhältnis eingegangen und politisches Han-
deln erschöpfe sich allzu oft im Streben nach
medialer Aufmerksamkeit. Das illustrieren zwei
sehr unterschiedliche Beispiele: Zum einen das
Regime Berlusconi in Italien, das sich auf die
Medienmacht des früheren Ministerpräsiden-
ten stützte und deren Mehrung diente; zum
anderen die Piratenpartei, die sich primär über
ihre Medienpräsenz im Internet und über medi-
enpolitische Ziele wie Informationsfreiheit und
Transparenz definiert.
Die Kommunikationsforschung konzentrierte
sich bisher darauf, die Bedingungen und Mög-
lichkeiten der Medialisierung zu untersuchen.
Nur wenige Studien haben die Medialisierung
und ihre Folgen über lange Zeiträume beobach-
tet. Unklar bleibt auch, ob die neuere Medien
entwicklung die Medialisierung verstärkt oder
abschwächt. Internet und soziale Medien bieten
der Politik – wie auch den Bürgern – eigene
&
Wo kann man das nachlesen?
Donges, P. (2008). Medialisierung politischer
Organisationen. Wiesbaden: VS.
Schulz, W. (2011). Politische Kommunikation.
Wiesbaden: VS.
Soziale Medien wie Face-
book bieten Politikern
direkte Zugänge zur Öffent-
lichkeit. Einerseits können
sie sich so den Zwängen
herkömmlicher Medien ent-
ziehen. Andererseits müssen
sie sich an die neue Medien-
logik anpassen – und sich
öffentlicher Kritik stellen.
direkte Zugänge zur Öffentlichkeit. Einerseits
könnten sich politische Akteure damit den
Zwängen der herkömmlichen Medien entziehen
und damit auch der Medienlogik von Presse,
Radio und Fernsehen. Andererseits erfordert
die Inanspruchnahme der neuen Medien eine
Anpassung an deren spezifische Medienlogik,
etwa an die Netiquette im World Wide Web, die
Selektionskriterien von Suchmaschinen oder
die Darstellungsformate sozialer Medien wie
Facebook, Twitter oder YouTube.
Winfried Schulz, Universität Erlangen-Nürnberg