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Und selbst die Antworten derjenigen, die mit-
machen, können verzerrt sein: Viele Befragte
entscheiden sich erst sehr spät für eine Partei,
ändern ihre Entscheidung in letzter Minute
oder gehen am Wahlsonntag spontan, zum Bei-
spiel wegen Krankheit oder schlechtem Wetter,
gar nicht wählen. Andere geben in der Umfrage
nicht ihre wirklichen Wahlabsichten an, etwa
weil sie auf der Seite der vermutlichen Sieger-
partei stehen möchten (Mitläufereffekt) oder
keinen schlechten Eindruck hinterlassen wollen
(beispielsweise die Wähler rechtsextremer Par-
teien). Zwar versuchen die Umfrageinstitute,
auch solche Verzerrungen durch Gewichtungen
auf Basis von Erfahrungswerten auszugleichen.
Die Gewichtungsformeln sind aber selbst eine
weitere mögliche Fehlerquelle.
Bis zu einem gewissen Grad weichen Umfra-
geergebnisse also zwangsläufig von den tat-
sächlichen Wahlabsichten und erst recht vom
späteren Wahlergebnis ab – auch wenn die
Wahlergebnisse können aus vielen Gründen von Umfrageprognosen abweichen – zum Beispiel weil sich
manche Befragte erst an der Urne für eine Partei entscheiden.
Umfrageinstitute noch so kompetent und se-
riös arbeiten. Gerade wenn eine Partei in den
Umfragen knapp führt, liegt sie in Wahrheit
vielleicht nur auf Platz 2. Denn Umfrageergeb-
nisse sind nun einmal keine „Vorwahlresultate“,
sondern politische Stimmungsbilder zu einem
bestimmten Zeitpunkt vor der Wahl.
Melanie Magin, Universität Mainz
&
Wo kann man das nachlesen?
Glaab, S. (2005). Versagte die Demoskopie
im Bundestagswahlkampf 2005?
In: Gesellschaft Wirtschaft Politik, 54(4),
S. 469-476.
Schneider-Haase, T. (2009). „Was messen wir
da eigentlich?“ – Anmerkungen zur Sonn-
tagsfrage. In: Kaspar, H. et al. (Hrsg.): Po-
litik – Wissenschaft – Medien. Wiesbaden:
VS, S. 269-273.