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Kommt es einmal zu einer Diskussion der
DDR-Vergangenheit, der Aufbauhilfe Ost etc.,
dann unterscheiden sich die Darstellungen in
Ost und West deutlich. Und während Regio-
nalmedien im Osten „Ostdeutsche“ und „West-
deutsche“ recht kontinuierlich thematisieren,
nehmen westdeutsche Medien allenfalls auf
„die Ostdeutschen“ Bezug, und das meist in
Form negativer Stereotype. Dadurch können
die überregionalen Medien – ob Qualitätspres-
se, öffentlich-rechtliche, aber auch private Fern-
sehnachrichten – die gefühlte soziale Ausgren-
zung der ostdeutschen Bürgerinnen und Bürger
weiter verstärken. Positive Identifikationsange-
bote finden sie hingegen eher in ihren Heimat-
medien. In diesem Sinne besteht eine Teilung
der deutschen Öffentlichkeit auch heute noch.
Katharina Kleinen-von Königslöw,
Universität Wien
&
Wo kann man das nachlesen?
Jandura, O. & Meyen, M. (2010). Warum
sieht der Osten anders fern? Eine reprä-
sentative Studie zum Zusammenhang
zwischen sozialer Position und Medien-
nutzung. In: Medien & Kommunikations
wissenschaft, 58(2), S. 208-226.
Kleinen-von Königslöw, K. (2010). Die
Arenen-Integration nationaler Öffent
lichkeiten. Der Fall der wiedervereinten
deutschen Öffentlichkeit. Wiesbaden: VS.
Westdeutsche Qualitätszei-
tungen wie die „Süddeutsche
Zeitung“ oder „Die Zeit“ gelten
als Grundpfeiler einer demo-
kratischen Öffentlichkeit.
Sie konnten in den neuen
Bundesländern allerdings
kaum Leserinnen und Leser
gewinnen.